Radialisparese

Anatomie

  • Radialis liegt am Oberarm dem Humersuschaft eng an (Sulcus N. radialis)
  • Sensible Äste
    • N. cutaneus brachii lateralis, N. cutaneus brachii posterior, N. cutaneus antebrachii posterior, Ramus superficialis N. radialis)

Ätiologie

  • Typ I: Krücken mit Stütze in Axilla (Krückenlähmung)
  • Typ II: Humerusschaftfraktur, Operationen am Oberarm ( u.a. Plattenosteosynthesen), Druckläsion bei Kompression des Oberarms (Parkbanklähmung), häufig in alkoholisiertem oder anderweitig sediertem Zustand

Klinik

  • Typ I:  Läsion in der Axilla
    • Beteiligung M. triceps brachii (Armextension, gel. inkomplett (Caput longus M. triceps brachii ausgespart)
    • Hypästhsie Oberarmrückseite und Unterarmrückseite (schwierig nachzuweisen/Überlappung mit anderen Nerven)
    • Weitere Symptome siehe TypII
  • Typ II: Läsion am Oberarm (Klassische Radialisparese)
    • Parese: M. brachioradialis, M. supinator, Handextensoren, Daumenextensoren
    • Affektion des Ramus superficialis N. radialis

Besonderheiten bei der klinischen Untersuchung

Typ I (Läsion inder Axilla)

  • Tricepssehnenreflex abgeschwächt/erloschen
  • Triceps brachii paretisch

Typ II (Läsion am Oberarm)

  • Fallhand (siehe auch Klinik)
  • Handextension im Fingermittelgelenk vollkräftig (Prüfung mit Unterstützung im Metokarpalgelenk)
  • Fingerspreizung nur scheinbar paretisch (Ürfung nach passiver Extension der Finger)
  • Prüfung des M. brachioradialis: Bethaltung der Hände, Beugung gegen Widerstand im Ellenbogengelenk)
  • Prüfung des M. supinator bei gestrecktem Arm (Ausschaltung des M. biceps brachii als Supinator)
  • Hypästhesie im Interdigitalraum I/II
  • Tricepssehnenreflex erhalten
  • Bei zentraler Parese der Handextension bei Greifbewegung reflektorisch (leichte) Streckbewegung im Handgelenk

Procedere

Elektromyographie

  • M. triceps brachii, M. brachioradialis (für Verlaufskontrollen!) , ev. M. extensor digitorum communis

Elektroneurographie

  • Radialisüberleitungszeit

Bei fehlender Reinnervation innerhalb von 3 Monaten nach Trauma ev. operative Revision

Verlauf

  • Abhängig von Ursache, bei Druckläsionen meist günstiger Verlauf, bei Trauma abhängig von Schwere des Traumas

Differentialdiagnose

  • Zentrale radiale Parese nach cerebralem Insult/Ischämie, Strecksehnenruptur

Literatur

Fachbücher

Fachartikel

  • Elektrophysiologische Diagnostik der Engpassyndrome der oberen Extremität, T. D. Waberski, H. Buchner, Klin Neurophysiol 2007; 38(4): 222-235