Schlafwandeln - Somnambulismus (ICD-10 F51.3)

Synonyme

Pathophysiologie

  • Auftreten im Non-Rem  Schlaf (Schlafstadium 2) oder Tiefschlaf
  • Meist im ersten Drittel des Nachtschlafes
  • Häufig verbunden mit Pavor nocturnus, zusammen oder in Folge auftretend
  • Ebenso mit Somiloquie, Bruxismus

Ursachen

  • Erkrankung wird zu den Aufwachstörungen oder Arousalstörungen gerechnet
  • Psychische Belastungen können Symptomatik auslösen bzw. Häufigkeit erhöhen
  • Medikamente:
    • Zolpidem
  • Schlafmangel   

Epidemiologie

  • Prävalenz Kinder bis zu 30%
  • Prävalenz Erwachsene Ca. 1-4 %
  • Familiäre Häufung: Bis zu 80%
  • Beginn zwischen dem 4-7. Lebensjahr

Symptome

  • Komplexe motorische Handlungen
  • Augen geöffnet, Betroffener wirkt verwirrt, ratlos
  • Betroffener während des Schlafwandelns nicht wach
  • Keine adäquate Reaktion auf Ansprache
  • Auftreten im Bett oder mit Verlassen des Bettes
  • Häufig automatisierte Handlungen wie z.B. Toilettengang, Aus- und Einräumen
  • Dauer:
    • Sekunden bis Minuten, gel. bis ca. einer halben Stunde, selten länger
  • Frequenz:
    • Mehrmals pro Woche bis zu alle paar Monate
  • Amnesie für Ereignisse (Wenn Betroffener nicht geweckt wird)

Besonderheiten bei der klinischen Untersuchung

Diagnostik

  • Keine spezifische Diagnostik
  • Fremdanamnese entscheidend
  • Zur differenzialdiagnostischen Abklärung eventuell Polysomnographie im Schlaflabor
  • Bei Verdacht auf nächtliche Frontallappenanfälle EEG mit Videomonitoring

Therapie (Detaillierte Informationen nach Login)

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Psychoedukation

  • Aufklärung von Patienten und Angehörigen
  • Angehörige sollen Betroffenen wieder ins Bett geleiten
  • Evtl. kognitive Verhaltenstherapie bei äußeren Triggerfaktoren
  • Sicherung der Schlafumgebung (Fenster zusperren, Wohnungstür…)

Medikamente

  • Clonazepam
    • Einzig validierte Therapie
  • Carbamazepin
  • Trazodon
  • Trizyklische Antidepressiva
    • Amitriptylin
    • Doxepin
  • Therapie generell so kurz wie möglich
  • Medikation bei Kindern vermeiden!

Verlauf

  • Somnambulismus verschwindet bei den meisten Betroffenen bis zur Pubertät
  • Nur selten Persistenz bis ins Erwachsenenalter (Siehe Epidemiologie)

Differenzialdiagnose

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung, nächtliche Frontallappenanfälle, nächtliche Delirien bei älteren Personen (auch medikamentös bedingt), Nächtliche paroxysmale Dystonie (NPD)