
Differenzialdiagnosen der Alzheimer Erkrankung
Die Einführung neuer, krankheitsmodifizierender Anti-Amyloid-Antikörper wie Lecanemab und Donanemab zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit (AD) stellt die klinische Diagnostik vor erhöhte Anforderungen:
So ist es zur Einleitung einer Therapie unerlässlich, die Diagnose einer Alzheimer-Demenz biomarkergestützt zum möglichst frühesten Zeitpunkt sicher zu stellen. Andere differenzialdiagnostisch in Erwägung zu ziehende Demenzen müssen also ausgeschlossen werden. Dabei ist das Augfenmerk aber auch auf die atypische Manifestationen der Alzheimer-Erkrankung zu richten, damit auch diese Verlaufsformen der richtigen Ursache, nämlich der Alzheimer-Pathologie zugeordnet und hiervon betroffene Patienten einer Amyloid-Antikörpertherapie zugeführt werden können.
Welches sind die wichtigsten Differenzialdiagnosen der Alzheimer Demenz?
Vaskuläre Demenz
Von entscheidender Bedeutung ist es, dass die Diagnose einer vaskulären Demenz nicht allein anhand der Bildgebung gestellt wird. Schließlich lassen sich auch bei einer Alzheimer-Demenz als Folge typischer kardiovaskulärer Risikofaktoren mikroangiopathische und auch makroangiopathische zerebrale Läsionen nachweisen. Daher sollte insbesondere bei einer amnestischen Symptomatik eine Alzheimer-Erkrankung differenzialdiagnostisch erwogen werden und eine entsprechende Diagnostik erfolgen.
Die typischen Symptome einer vaskulären Demenz sind stufenweise Verschlechterungen, Persönlichkeitsveränderungen wie Antriebsstörungen, aber auch Störungen exekutiver Funktionen sowie im Rahmen einer frontal betonten Mikroangiopathie auftretende Gangstörungen.
Lewy-Körperchen-Demenz
Im Vordergrund der Lewy-Körperchen-Erkrankung stehen stark fluktuierende Störungen der Kognition und Aufmerksamkeit und Persönlichkeits-veränderungen mit Apathie; außerdem kann es auch schon früh im Verlauf zu visuellen Halluzinationen, depressiven Symptome und Ängsten kommen. Charakteristisch ist das Auftreten einer hypokinetisch-rigiden Parkinson-Symptomatik typischerweise innerhalb eines Jahres, was eine Abgrenzung zur Alzheimer-Demenz ermöglicht. auf, die dann von der Alzheimer-Demenz erleichtert. Häufig kündigt eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung die Manifestation der Lewy-Körperchen-Demenz an.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Diese Differenzialdagnose ist üblicherweise die schwierigste, insbesondere da es bei der Alzheimer-Demenz die eigentlich für eine frontotemporale Demenz typischen Aphasien auftreten können, auch wenn diese sich in der Manifestation unterschreiben. Auch die behaviorale Variante der Alzheimer Erkrankung lässt sich nur schwierig von der FTD abgrenzen.
Normaldruckhydrozephalus (NPH)
Zur Abgrenzung eines NPH dient eine zerebrale Bildgebung, die typische Erweiterung insbesondere der Vorderhörner zeigt. Schwierig kann die klinische Abgrenzung sein, da die typische Trias aus Gedächtnisstörung, Gangstörung und Inkontinenz auch sequenziell auftreten kann. Isolierte Gedächtnisstörungen zu Beginn der Erkrankungen sind möglich. Die Diagnosestellung eines NPH ist besonders wichtig, da es sich hierbei um eine der wenigen Demenzformen handelt, deren Ursache sehr gut behandelt werden kann.
Chorea Huntington
Gedächtnisstörungen, eine Verlangsamung, Aufmerksamkeitsstörungen als auch Störungen von Exekutivfunktionen sind typische Symptome einer Chorea Huntington. Hinzu kommen klassischerweise psychiatrische Symptome wie Persönlichkeitsveränderungen, Enthemmungen aber auch depressive Symptome. Die typischen extrapyramidalmotorische Symptome können sich erst im Verlauf manifestieren.
Seltene Ursachen demenzieller Syndrome:
Auch eine Creutzfeldt-Jakob Erkrankung, eine kortikobasale Degeneration, entzündliche Ursachen wie eine IgLON5-Erkrankung und andere Enzephalitiden, Infektionskrankheiten wie eine Neurosyphilis, psychiatrische Erkrankungen wie eine Pseudodemenz bei Depression oder eine residuale Schizophrenie, Elektrolytentgleisungen oder chronisch subdurale Hämatome müssen in die differenzialdiagnostische Überlegungen miteinbezogen werden.
Die sichere und frühe Diagnosestellung ist aufgrund der nun erstmalig ursächlichen Behandlung der Alzheimer-Erkrankung von großer Bedeutung. Die sensitiven und spezifischen Ergebnisse einer Liquoruntersuchung haben die Sicherung der Diagnose enorm erleichtert. In absehbarer Zukunft wird wohl auch die Diagnosesicherung mittels Blutuntersuchungen in Deutschland zugelassen werden. Das wird eine einfache, rasche und minimalinvasive laborchemisch gesicherte Diagnose ermöglichen.
Bereits jetzt laufen Studien, die auch auf die Behandlung der Tau-Pathologie der Alzheimer-Erkrankung abzielen.
Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass mit der nunmehr gegebenen Möglichkeit der Amyloid-Antikörper-Therapien ein neues Zeitalter in der Therapie der Alzheimer-Erkrankung anbricht.
Weitere Informationen über die verschiedene Demenzen finden Sie im Neurologienetz Online-Lehrbuch.