McDonald Kriterien 2024

Die McDonald Kriterien zur Diagnosestellung der Multiplen Sklerose wurden im September 2017 entsprechend den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aktualisiert. Die bisher gültige Version stammt aus dem Jahr 2017. Die neuen Kriterien sollen es ermöglichen die Diagnose einer Multiplen Sklerose früher zu stellen um eine frühzeitige Einleitung einer immunmodulatorischen Therapie zu ermöglichen. Neu ist hier auch erstmals die Möglichkeit ein Radiologisch isoliertes Syndrom als Multiple Sklerose zu diagnostizieren, so dass es nun möglich ist die Diagnose auch ohne eine klinische Manifestation zu stellen.

Was ist neu an den McDonald Kriterien von 2024?

Einbeziehung des Nervus opticus als anatomische Region

Die Läsionen in der spinalen Bildgebung sollen in mindestens 2 von 5 Regionen nachweisbar sein. Diese „dissemination in space“ d.h. räumliche Dissemination wurde um den Nervus opticus erweitert. Eine Beteiligung des Nervus opticus kann durch eine Kernspintomografie, visuell evozierte Potenziale oder eine Optische Kohärenz-Tomografie nachgewiesen werden.

Somit zählen nun Läsionen in folgenden anatomischen Regionen:

  • Periventrikulät
  • Juxtakortikal
  • Infratentoriell
  • Spinal
  • Nervus opticus

Zeitliche Dissemination nicht mehr zwingend 4erforderlich

Die Dissemination in der Zeit (DIT) kann inzwischen durch zusätzliche Befunde ersetzt werden. Alternativ zu den u.g. neuen Parametern reicht inzwischen ein Nachweis entzündlicher Läsionen in 4 Regionen. Das Erfüllen weitere Kriterien ist dann nicht mehr erforderlich.
Ein zweiter Schub, neue Läsionen in der Kernspintomografie oder positive oligoklonale Banden als Zeichen einer neuen bzw. akuten Entzündung sind nicht mehr notwendig.

 

Neue Parameter in Liquor und MRT halten Einzug

In der Liquordiagnostik wurden zusätzlich zu den oligoklonalen Banden (OKB) die freien Kappa-Leichtketten (fKLC) als MS-typischer Parameter ergänzt, sodass entweder die OKBs oder die fKLC als positiver Befund gelten.
In der Kernspintomografie wurde das Zentrale Venenzeichen (central vein sign CVS) sowie die paramagnetischen RIM-Läsionen als spezifischer Befund hinzugefügt. Auch ein Nachweis dieser MR Befunde kann die DIT ersetzen.

 

Unterscheidung der klinischen Krankheitsverläufe fällt weg

Die McDonald Kriterien von 2024 differenzieren nicht mehr zwischen dem schubförmigen Verlauf und der chronisch progredienten Form der multiplen Sklerose. Die Diagnosekriterien kälter neuerdings für alle klinischen Verlaufsformen gleichermaßen.

 

Radiologische Diagnostik gewinnt an Bedeutung

Wie bereits oben aufgeführt werden die Ergebnisse der radiologischen Befunde immer wichtiger. So ist z.B. das Vorliegen von 2 spinalen Läsionen inzwischen ausreichend um eine Dissemination in der Zeit nachzuweisen. Bei Patienten mit typischen Symptomen, typischen Läsionen in einer Region ist das Vorliegen von 6 Läsionen mit einem zentralen Venenzeichen oder paramagnetischen RIM-Läsionen mit zusätzlicher DIT oder ein positiver Liquor (entsprechend den neuen Parametern) inzwischen zur Diagnosestellung einer multiplen Sklerose ausreichend.

 

Zusammenfassend gewinnt die kernspintomografische Untersuchung in der Diagnosestellung der multiplen Sklerose deutlich an Bedeutung. Die neuen Parameter CVS und paramagnetische RIM-Läsionen wurden als diagnostisches Kriterium ergänzt. Ebenso werden im Liquor die Kappa-Leichtketten als akutes Entzündungszeichen und dementsprechend gleichwertig den OKBs gewertet.

Zudem ist erstmalig Diagnosestellung ohne typische klinische Symptomatik möglich, was endlich ein therapeutisches Dilemma auflöst.

Inwiefern letztlich die Patientin von den neuen Kriterien profitieren bleibt abzuwarten. Dennoch ist davon auszugehen, dass die frühe Diagnose und eine damit verbundene frühe Therapiebeginn den langfristigen Verlauf günstig beeinflussen wird.