• Die Entdeckung der Unendlichkeit

    USA 2014

    Mit zahlreichen Nominierungen und Auszeichnungen prämiert, zeichnet der im Jahr 2014 erschienene Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ ein eindrucksvolles Portrait des weltberühmten britischen Physikers Stephen Hawking (Eddie Redmayne). Der Film basiert auf den Memoiren der Ehefrau Stephen Hawkings, Jane Hawkings, mit dem Titel „Die Liebe hat elf Dimensionen. Mein Leben mit Stephen Hawkings“.

    Regisseur James Marshs gelingt es, den Lebensweg Hawkings, seine Persönlichkeit, seine Erkrankung und seine Forschung ebenso zu beleuchten wie sein Familienleben. Beginnend mit Hawkings Studienzeit in Cambridge im Jahr 1962 führt er den Zuschauer an den noch nicht von seiner ALS-Erkrankung gezeichneten, aber gleichwohl linkischen und vergeistigten Physik-Studenten heran, dessen Begabung schon zu dieser Zeit heraussticht. Zwischen ihm und der Romanistik-Studentin Jane Wilde (Felicity Jones) entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die auf dem Prüfstand steht, als Stephen die Diagnose einer „Motoneuron“-Erkrankung mit allenfalls zweijähriger Restlebenszeit erhält. Die junge Jane jedoch ist nicht bereit, sich geschlagen zu geben: sie kämpft für ihre Liebe, die beiden heiraten, bekommen – ungeachtet der fortschreitenden Erkrankung – drei Kinder. Stephen Hawkings erklimmt trotz seines Gebrechens und letztlich sogar des Verlusts seines Sprachvermögens die universitäre Karriereleiter und erlangt mit seinem populärwissenschaftlichen Werk „Eine kurze Geschichte der Zeit“ Weltruhm.

    Schonungslos seziert der Film die aufeinander folgenden Stadien der ALS-Erkrankung, des damit einhergehenden körperlichen Zerfalls sowie die Schwierigkeiten in der Bewältigung des Alltags. Dabei wird deutlich, welchen Anteil die tatkräftige und bis zur Selbstaufgabe kämpfende Ehefrau Jane Hawkings an dem Erfolg ihres Gatten hat, - und mit welchem spitzbübischen Humor es dem weltberühmten Physiker trotz seines Schicksals offenbar gelang, das Herz nicht nur seiner Ehefrau zu erobern.

    Trotz der insgesamt tragischen Story hinterlässt diese Darstellung beim Zuschauer ein hoffnungsvolles und versöhnliches Gefühl, - es lohnt sich nicht zuletzt auch aufgrund der großartigen schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller Eddie Redmayne und Felicity Jones, diesen Film anzusehen!
    © Christine Thilmann | Neurologienetz.de

  • Hin und weg

    Deutschland 2015

    Hannes (Florian David Fitz) und seine Frau Kiki (Julia Koschitz) starten gemeinsam zur jährlichen Mehrtages-Fahrradtour mit dem Freundeskreis. Was die Freunde anfangs nicht wissen: Hannes ist schwer an einer von seinem Vater geerbten Variante der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) erkrankt und hat Belgien zum Ziel der Reise auserkoren, um sich dort von Familie und Freunden zu verabschieden und aktive Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Alles scheint wie in jedem Jahr zu sein, und die Freunde lachen und albern, bis die starken körperlichen Einschränkungen des sonst so sportlichen Hannes deutlich werden und er mit der Wahrheit herausrückt. Die Reaktionen hierauf fallen unterschiedlich aus. Sie reichen von tiefem Mitgefühl bis zu Entsetzen und Wut; nichtsdestoweniger rauft man sich zusammen und setzt die Tour bis zum vorgesehenen Ende fort, inklusive der traditionell gegenseitig gestellten Challenges, die nicht an Komik entbehren. Die in Nebenhandlungen dargestellten Alltagsprobleme der Freunde wie die Beziehungskrise des befreundeten Paares Maike (Victoria Mayer) und Dominik (Johannes Allmayer) oder das ewige Junggesellen-Dasein des notorischen Frauenhelden Michael (Jürgen Vogel) bilden einen Kontrast zur existentiellen Situation von Hannes und Kiki. Gleichzeitig unterstreichen sie das reale Nebeneinander von Leben und Tod, das sich letztlich auch in der Beziehung des erkrankten Hannes zu seinem nicht erblich vorbelasteten Bruder Finn (Volker Bruch) abbildet.

    Schmal ist der Grat zwischen Komödie und Drama, auf dem dieses deutsche Roadmovie von Regisseur Christian Zübert balanciert. Eindrucksvoll thematisiert der Film die Problematik einer solchen unheilbaren Nervenerkrankung, den Wunsch nach einem selbstbestimmten Abschied in Würde, das Geschenk eines gewonnenen Tages und die Kraft der Freundschaft und Familie. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Star-Besetzung auch der Nebenrollen – u.a. Hannelore Elsner als Hannes’ Mutter und Miriam Stein als Urlaubsbekanntschaft - und dem Gespür des Regisseurs für die kleinen Momente, die das Leben ausmachen, ist dieser Film zwar keine leichte Kost, aber tief bewegend. Das Recht auf aktive Sterbehilfe im Falle unheilbarer Erkrankung und schweren Leidens ist in Belgien seit dem Jahr 2002 in Kraft und erlaubt auch Ausländern, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Wer glaubt, eine solche Möglichkeit erleichtere die Entscheidung an sich, wird durch Züberts Film eines besseren belehrt, der die Konsequenzen eines solchen Schritts und die damit einhergehenden Gefühle in all ihren Facetten beleuchtet. Und doch bleibt die Erkenntnis, wie wichtig es für einen unheilbar Erkrankten sein kann, Kontrolle über sein Leben zurückzuerlangen und selbst entscheiden zu können, den Weg bis zum Ende zu gehen oder sich das schwerste körperliche Leiden zu ersparen und in Freiheit und in Ruhe im Kreis der Lieben Abschied zu nehmen.
    © Christine Thilmann | Neurologienetz.de