Lewy-Körperchen Demenz
Lewy-body Demenz, Demenz mit Lewy-Körperchen, Lewy-Körperchen Erkrankung
- Erstbeschreibung der eosinophilen Einschlußkörperchen durch den deutschen Neurologen und Neuropathologen Friedrich H, Lewy 1912
- 1961 Beschreibung einer Demenz mit optischen Halluzinationen und einer Parkinson Symptomatik durch Okazapi, Lipkin und Aronson
Ätiologie
- Synukleinopathie
- Intrazelluläre Ablagerung von Lewy Körperchen, bestehend aus α-Synuklein und Ubiquitin
- Ablagerung von Lewy-Körperchen im Nucleus basalis Meynert (cholinerges Defizit), Hirnstamm, limischen Kortex, Neokortex, Ncl.coeruleus (noradrenerges Defizit)
- Begleitend bei einem Großteil der Fälle auch Nachweis von Neurofibrillen und Amyloidplaques
Epidemiologie
- Für ca. 15% der Demenzen im Alter verantwortlich
Symptome
Kardinalsymptome
- Progrediente dementielle Entwicklung
tritt innerhalb eines Jahres nach Auftreten der Parkinson-Symptomatik auf
nicht immer ausgeprägte Gedächtnisstörungen - Optische, häufig ausgestaltete Halluzinationen
- Hypokinetisch-rigide Parkinson-Symptomatik
- Starke Fluktuationen von Kognition und Vigilanz / Aufmerksamkeit
Gel. teilnahmsloses "Starren"
Weitere Symptome
- Erhöhte Empfindlichkeit auf neuroleptische Medikation
- Stürze und Synkopen
- Wahnvorstellungen
- REM-Schlafstörungen (Schenk-Syndrom)
- Depression
- Antriebsstörung/Apathie
- Gel.Inkontinenz
Besonderheiten bei der klinischen Untersuchung
- Überempfindlichkeit gegen Neuroleptika
- Parkinson Symptomatik
Diagnostik
- CCT, MRT: gut erhaltene mediale temporale Strukturen
- Labordiagnostik zum Ausschluß sekundärer dementiellen Syndrome
- Eventuell SPECT/PET niedriger stiatale Aufnahme für DAT -Liganden, okzipitale Minderperfusion
- Elektroenzephalographie (überwiegend langsam EEG Aktivität)
Diagnosekriterien - nach McKeith
Kernspymptomatik
- Störungen der Kognition:
- Ausgeprägte Fluktuation der Symptomatik
- Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit und Vigilanz (episodenhaftes Starren)
- Desorganisierte Sprache
- Parkinson-Symptomatik
- Bradykinese, Ruhetremor und/oder Rigor
- Ein Symptom bereits ausreichend
- Wiederkehrende, meist ausgestaltete optische Halluzinationen
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung
- Symptomatik kann der Erkrankung um Jahre vorausgehen
Unterstützende Symptome
- Ausgeprägte Neuroleptika-Überempfindlichkeit
- Posturale Instabilität, Stürze
- Synkopen bzw. andere transiente Bewusstseinsstörungen
- Autonome Dysfunktion
- Obstipation
- Orthostatische Hypotonie
- Harninkontinenz
- Hypersomnie, Hyposmie
- Halluzinationen in anderen Sinnesmodalitäten, systematisierter Wahn
- Apathie, Angst, Depression
Indikative Biomarker
- Verminderte Dopamintransporter (DAT)-Aufnahme in den Basalganglien (SPECT/PET)
- Pathologische ¹²³I-MIBG-Myokardszintigraphie (verminderte kardiale sympathische Innervation)
- Polysomnographisch gesicherter REM-Schlaf ohne Atonie
Unterstützende Biomarker
- Relativ erhaltene mediotemporale Strukturen in CT/MRT
- Generalisierter Hypometabolismus mit okzipitaler Minderperfusion im SPECT/PET (ggf. "Cingulate Island Sign" im FDG-PET)
- Ausgeprägte posteriore Slow-Wave-Aktivität im EEG mit periodischen Fluktuationen im Prä-Alpha-/Theta-Bereich
Diagnosesicherheit
- Wahrscheinliche (probable) DLK:
- Zwei oder mehr Kernsymptome (mit oder ohne indikative Biomarker) oder ein Kernsymptom plus mindestens ein indikativer Biomarker.Die Diagnose sollte nicht allein auf Biomarkern beruhen.
- Mögliche (possible) DLK:
- Nur ein Kernsymptom ohne Biomarkernachweis oder ein indikativer Biomarker ohne Kernsymptom.
- Eine DLK-Diagnose wird unwahrscheinlicher, wenn eine andere neurologische oder internistische Erkrankung das klinische Bild ausreichend erklärt (schließt Mischbilder aber nicht aus), oder wenn eine Parkinson-Symptomatik das einzige Kernsymptom ist und erst im Stadium einer schweren Demenz auftritt
Therapie (detaillierte Informationen nach Ärzte-Login)
Demenz
- Acetylcholinesterasehemmer
Rivastigmin
Parkinson-Symptomatik
- Levodopa
geringste Dosis wählen
häufig nur geringes Ansprechen - Amantadin/Dopaminagonisten
Möglichst vermeiden, Zunahme der Halluzinationen häufig!
Halluzinationen/Wahn
- atypische Neuroleptika:
möglichst geringe Dosis wählen
Quetiapin
Risperidon möglichst vermeiden
REM-Schlaf Verhaltensstörung
- Clonazepam
Depression
- SNRI (noradrenerges Defizit)
- SSRI
- Tri- oder terazyklische Antidepressiva wegen anticholinerger Nebenwirkungen vermeiden
Verlauf
- Chronisch progredienter Verlauf, letal endend
Differentialdiagnose
- Parkinson-Demenz, Alzheimer Demenz mit psychotischen Symptomen, Frontotemporale Demenz