Essentieller Tremor

Essential Tremor (engl.)

Erster dokumentierter Fall ist der eines amerikanischen Revolutionärs Samuel Adams (1722-1803), dessen Stimme ,Hände und Kopf betroffen waren. Die Erkrankung manifestierte sich in der 4. Dekade. Er vererbte sie an seine Tochter und deren Kinder. (siehe Literatur)

Ätiologie

  • Meist familiär (autosomal dominant erblich)
    Gene ETM1, ETM2 und ETM3 (siehe Neurogenetik)
  • Vermutlich Störung des olivo-zerebellären Systems

Epidemiologie

  • Zwei Erkrankungsgipfel in 2 Dekade und ab 60LJ.
  • Prävalenz zwischen 4 und 40/100000
  • m=w

Symptome

  • Im Verlauf meist beidseitiger Halte- und Intentionstremor, selten Ruhetremor
  • Tremor gel. einseitig beginnend, meist mit dominanter Hand
  • Meist Kopf („Nein-sage" oder „Ja-sage" Tremor) und/oder Hände
  • Gelegentlich auch Kinntremor, Stimmtremor, Beintremor, Gesichtstremor, Rumpftremor
  • Besserung nach Alkoholgenuß häufig >80%
  • Zunahme bei psychischer Belastung
  • Tremorfrequenz ca. 6-8 Hz, gel. >8 und <6

Besonderheiten bei der klinischen Untersuchung

  • Medikamentenanamnese! (Theophyllin, Thyroxin, Lithium, Corticosteroide, Valproat)
  • Untersuchung zum Ausschluß Morbus Parkinson
  • Spirale malen lassen, Schreiben lassen, ev. Vorlesen lassen (Stimmtremor?)
  • Den Patienten ist es teilweise unmöglich z.B. eine Tasse oder einen Löffel zum Mund zu führen

Diagnostik

  • Tremoranalyse zur Bestimmung der Tremorfrequenz (Siehe unten)
  • Im Jugendalter Cu-Spiegel und Coeruloplasminbestimmung zum Ausschluß eines Morbus Wilson
  • Labordiagnostik: TSH, Calcium, Parathormon
  • Bei schwieriger Differentialdiagnose ev. SPECT
  • cMRT nur seltenst erforderlich
  • Bei unzureichendem Ansprechen auf Medikation: Tiefenhirnstimulation
  • Ausschluß medikamentöser Ursachen!

Tremoranalyse - Beispiel

6 pro Sekunde Haltetremor

Therapie (Detaillierte Informationenerst nach Ärzte-Login )

Um detaillierte Informationen zu den Präparaten und Dosierungen zu erhalten loggen Sie sich bitte mit DocCheck in den Ärztebreich ein. (Diese Seite muß dann hierzu neu geladen werden)

Betablocker

  • Propranolol
  • Metoprolol
  • Nadolol
  • Timolol
  • Bisoprolol

Primidon

Kombination von Propranolol und Primidon

Gabapentin

Clozapin

Clonazepam

Topiramat

Tiefenhirnstimulation (siehe Adressen)

  • Implantation von Stimulationselektroden im Nucleus subthalamicus

Botulinumtoxin

  • nur Kopftremor/Kinntremor/Stimmtremor

Verlauf

  • Gel. sehr schleichender Beginn und langsame Progredienz
  • Zunahme der Symptomatik des Tremors über Jahre und Jahrzehnte
  • Gel. Ausbreitung auf andere Körperregionen )z.B. erst Händetremor, dann Kopftremor)

Differentialdiagnose

  • Physiologischer Tremor (Differenzierung initial manchmal nicht möglich)
  • Medikamentös induzierter Tremor (siehe unten)
  • Morbus Parkinson  (Tremor meist einseitig, in Ruhe, Abnahme bei Bewegung)
  • Dystoner Tremor
  • Morbus Wilson
  • Holmes Tremor
  • Hyperthyreose

Medikamente mit Tremor als Nebenwirkung

Folgende Medikamente können einen Tremor induzieren:

  • Valproat
  • Lithium
  • Thyroxin (bei zu hoher Dosierung)
  • Betasympathomimetika (Asthmasprays)
  • Theophyllin
  • Koffein
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
  • Amphetamine
  • Epinephrin
  • Immunsuppresiva: Cyclosporin, Tacrolimus

Download - Vorlage

Laden Sie hier eine Vorlage für eine Spirale zum Nachfahren herunter.

Download-Spirale

Weiterführende Literatur

Fachbücher

Fachartikel