News aus dem Fachbereich Neurologie

Cluster-Kopfschmerzen - Serie „Neurologie kurz und kompakt“

Der Cluster-Kopfschmerz gilt als Kopfschmerzentität mit der höchsten Schmerzintensität und wird deshalb auch Suizid-Kopfschmerz genannt.
Trotz der starken Beschwerden wird die Diagnose oft noch immer zu spät gestellt, obwohl eine rasche Diagnose und dementsprechend wirksame Therapie aufgrund des hohen Leidensdrucks für Betroffene besonders wichtig ist. Die häufigen Fehldiagnosen reichen von Sinusitis über Zahnschmerzen und Trigeminusneuralgie bis hin zur noch recht naheliegenden, da gelegentlich auch noch koinzidenten Migräne.

Die klassische Form der Erkrankung lässt bei guter Anamnese eigentlich keine falschen Rückschlüsse zu, denn der Cluster-Kopfschmerz äußerst sich als einseitiger, über oder im Auge lokalisierter unerträglicher Kopfschmerz, der mit autonomen Begleitsymptomen einhergeht. Diese können mit Tränenlaufen, Rötung und Schwellung des Auges, Nasenlaufen und Verstopfung der Nase oder mit einem Hängen des Lids, einer Miosis oder auch einem Schwitzen im Bereich der Stirn einhergehen. Die Kopfschmerzen dauern von 15 Minuten bis zu 3 Stunden. Kürzere Attacken werden den anderen autonomen Kopfschmerzen wie der chronisch paroxysmalen Hemikranie oder dem SUNCT zugeordnet.

Problematisch ist die Diagnosestellung in Fällen des atypischen Cluster-Kopfschmerz. So können Cluster-Kopfschmerzen in seltenen Fällen ohne die typische autonome Begleitsymptomatik auftreten. Zudem kann die Dauer der einzelnen Cluster-Episoden stark variieren, so dass manche Patienten jeweils nur wenige Tage unter Beschwerden leiden und dementsprechend häufig erst nach mehreren Attacken ärztlichen Rat einholen. Schließlich haben einige Betroffene Cluster-Kopfschmerz-Episoden nicht einmal in jährlichem Abstand, sondern die Intervalle zwischen den einzelnen Attacken können viele Jahre betragen.

Bei der Erstdiagnose sollte eine cerebrale Bildgebung zum Ausschluß eines symptomatischen Cluster-Kopfschmerzes erfolgen. Außerdem sollte eine Ultraschalldiagnostik oder MR-Angiographie zum Ausschluß einer Dissektion in Betracht gezogen werden.

Hinsichtlich der Therapie des Clusterkopfschmerzes unterscheidet man die Akuttherapie und die vorbeugende Behandlung zur Vermeidung solcher Kopfschmerzattacken.

Besonders wirkungsvolle Akuttherapien sind die Behandlung mit hochprozentigem Sauerstoff sowie subkutan gespritztem Sumatriptan. Aufgrund der Schmerzintensität und des schnellen Wirkeintritts empfiehlt es sich, jeden Patienten, der an Cluster-Kopfschmerzen leidet, mit Sumatriptan zur subkutanen Gabe zu versorgen.

Ebenfalls erfolgreich kann die nasale Gabe von Sumatriptan, Zolmitriptan und auch Lidocain sein.

Die Akutbehandlung des Cluster-Kopfschmerzes sollte wie folgt aussehen:

Sauerstoffgabe:

  • 8-15 l/min.
  • Inhalation von Sauerstoff vornübergebeugt im Sitzen
  • Inhalation mit Non-Rebreather-Maske
  • Dauer ca. 10-20 Minuten
  • Nach dem Abklingen der Schmerzen Fortsetzung der Inhalation für einige Minuten (zur Vermeidung einer erneuten Zunahme der Kopfschmerzen)

Sumatriptan subkutan

  • Gabe mittels Autoinjektor
  • Rascher Wirkeintritt nach Minuten
  • Sehr hohe Wirksamkeit

Sumatriptan oder Zolmitriptan nasal

  • Schnellere Wirkung als orale Gabe

 

Zur Prophylaxe des Cluster-Kopfschmerz hat sich die Gabe von retardiertem Verapamil bewährt. Vor Therapiebeginn muss eine Herzrhythmusstörung mittels EKG beim Hausarzt oder Kardiologen ausgeschlossen werden. Die Dosen müssen teilweise sehr hoch gewählt werden, um Wirkung zu erzielen. Bis zum Wirkeintritt von Verapamil sollte daher eine Therapie mit Cortison erfolgen, die dann ausschleichend abzusetzen ist. In den seltenen Fällen eines unzureichenden Ansprechens auf Verapamil ist eine alternative Behandlung mit Lithium, Topiramat oder Valproat erforderlich.

 

Zur Überprüfung des Therapieeffekts der Cluster-Kopfschmerz-Attacken ist eine Dokumentation mittels App sinnvoll, wie sie beispielsweise die DMKG Ende 2022 frei verfügbar herausgegeben hat (à DMKG Cluster-App à https://www.kopfschmerzregister.de/cluster/Link).

 

Weitere Informationen zur Erkrankung mit detaillierten Angaben zu Diagnostik und Therapie inklusive Dosierungen finden Sie in unserem Neurologienetz-Lehrbuch.

Cluster-Kopfschmerzen - Serie „Neurologie kurz und kompakt“

Der Cluster-Kopfschmerz gilt als Kopfschmerzentität mit der höchsten Schmerzintensität und wird deshalb auch Suizid-Kopfschmerz genannt.
Trotz der starken Beschwerden wird die Diagnose oft noch immer zu spät gestellt, obwohl eine rasche Diagnose und dementsprechend wirksame Therapie aufgrund des hohen Leidensdrucks für Betroffene besonders wichtig ist. Die häufigen Fehldiagnosen reichen von Sinusitis über Zahnschmerzen und Trigeminusneuralgie bis hin zur noch recht naheliegenden, da gelegentlich auch noch koinzidenten Migräne.

Die klassische Form der Erkrankung lässt bei guter Anamnese eigentlich keine falschen Rückschlüsse zu, denn der Cluster-Kopfschmerz äußerst sich als einseitiger, über oder im Auge lokalisierter unerträglicher Kopfschmerz, der mit autonomen Begleitsymptomen einhergeht. Diese können mit Tränenlaufen, Rötung und Schwellung des Auges, Nasenlaufen und Verstopfung der Nase oder mit einem Hängen des Lids, einer Miosis oder auch einem Schwitzen im Bereich der Stirn einhergehen. Die Kopfschmerzen dauern von 15 Minuten bis zu 3 Stunden. Kürzere Attacken werden den anderen autonomen Kopfschmerzen wie der chronisch paroxysmalen Hemikranie oder dem SUNCT zugeordnet.

Problematisch ist die Diagnosestellung in Fällen des atypischen Cluster-Kopfschmerz. So können Cluster-Kopfschmerzen in seltenen Fällen ohne die typische autonome Begleitsymptomatik auftreten. Zudem kann die Dauer der einzelnen Cluster-Episoden stark variieren, so dass manche Patienten jeweils nur wenige Tage unter Beschwerden leiden und dementsprechend häufig erst nach mehreren Attacken ärztlichen Rat einholen. Schließlich haben einige Betroffene Cluster-Kopfschmerz-Episoden nicht einmal in jährlichem Abstand, sondern die Intervalle zwischen den einzelnen Attacken können viele Jahre betragen.

Bei der Erstdiagnose sollte eine cerebrale Bildgebung zum Ausschluß eines symptomatischen Cluster-Kopfschmerzes erfolgen. Außerdem sollte eine Ultraschalldiagnostik oder MR-Angiographie zum Ausschluß einer Dissektion in Betracht gezogen werden.

Hinsichtlich der Therapie des Clusterkopfschmerzes unterscheidet man die Akuttherapie und die vorbeugende Behandlung zur Vermeidung solcher Kopfschmerzattacken.

Besonders wirkungsvolle Akuttherapien sind die Behandlung mit hochprozentigem Sauerstoff sowie subkutan gespritztem Sumatriptan. Aufgrund der Schmerzintensität und des schnellen Wirkeintritts empfiehlt es sich, jeden Patienten, der an Cluster-Kopfschmerzen leidet, mit Sumatriptan zur subkutanen Gabe zu versorgen.

Ebenfalls erfolgreich kann die nasale Gabe von Sumatriptan, Zolmitriptan und auch Lidocain sein.

Die Akutbehandlung des Cluster-Kopfschmerzes sollte wie folgt aussehen:

Sauerstoffgabe:

  • 8-15 l/min.
  • Inhalation von Sauerstoff vornübergebeugt im Sitzen
  • Inhalation mit Non-Rebreather-Maske
  • Dauer ca. 10-20 Minuten
  • Nach dem Abklingen der Schmerzen Fortsetzung der Inhalation für einige Minuten (zur Vermeidung einer erneuten Zunahme der Kopfschmerzen)

Sumatriptan subkutan

  • Gabe mittels Autoinjektor
  • Rascher Wirkeintritt nach Minuten
  • Sehr hohe Wirksamkeit

Sumatriptan oder Zolmitriptan nasal

  • Schnellere Wirkung als orale Gabe

 

Zur Prophylaxe des Cluster-Kopfschmerz hat sich die Gabe von retardiertem Verapamil bewährt. Vor Therapiebeginn muss eine Herzrhythmusstörung mittels EKG beim Hausarzt oder Kardiologen ausgeschlossen werden. Die Dosen müssen teilweise sehr hoch gewählt werden, um Wirkung zu erzielen. Bis zum Wirkeintritt von Verapamil sollte daher eine Therapie mit Cortison erfolgen, die dann ausschleichend abzusetzen ist. In den seltenen Fällen eines unzureichenden Ansprechens auf Verapamil ist eine alternative Behandlung mit Lithium, Topiramat oder Valproat erforderlich.

 

Zur Überprüfung des Therapieeffekts der Cluster-Kopfschmerz-Attacken ist eine Dokumentation mittels App sinnvoll, wie sie beispielsweise die DMKG Ende 2022 frei verfügbar herausgegeben hat (à DMKG Cluster-App à https://www.kopfschmerzregister.de/cluster/Link).

 

Weitere Informationen zur Erkrankung mit detaillierten Angaben zu Diagnostik und Therapie inklusive Dosierungen finden Sie in unserem Neurologienetz-Lehrbuch.

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