Borreliose (ICD-10 A69.2)

Garin-Bujadoux-Bannwarth-Syndrom, Lyme- Erkrankung (Borreliose in Nordamerika)

  • Entdeckung des Bakteriums von Willy Burgdorfer 1982

Ätiologie

  • Infektion mit der Spirochäte Borrelia burgdorferi sensu strictu, B. garinii, B. afzelii
  • Übertragung durch Ixodes ricinus

Epidemiologie

  • Durchseuchung in Normalbevölkerung 5-15%
  • Inzidenz ca. 10/1 Mio.
  • Gefahr nach Zeckenbiß trotz hoher Durchseuchung der Zecken (bis zu 30%) gering

Symptome

Stadium I

  • Auftreten Tage bis wenige Wochen nach Zeckenbiß
  • Erythema chronicum migrans (zentripetal ausbreitendes ringförmiges Exanthem)

Stadium II

  • Auftreten Wochen bis Monate nach Primärinfekt
  • Grippesymptomatik mit Kopfschmerzen
  • Lymphadenosis cutis benigna (selten)
  • Arthralgien, Lymphadenopathie, multiple Erytheme
  • Radikuloneuritis:
    • (häufig im Bereich des Primärexanthems)
    • Nächtliche, starke radikuläre Schmerzsymptomatik
    • Sensible Mißempfindungen o. Ausfälle, Paresen
    Neuritis cranialis:
    Meningoenzephalitis:
    • Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Müdigkeit
    • Bewußtseinsstörung, Psychosyndrom, Halluzinationen
    • Herdsymptome
    • Gel. epileptische Anfälle
    Myelitis:
    • Symptomatik abhängig von Lokalisation, Paraparese, sensible Defizite, Blasenstörungen

Stadium III

  • Auftreten Monate bis Jahre nach Primärinfekt
  • Arthritis (meist große Gelenke)
  • Neuroborreliose mit Encephalomyelitis (Paraparese, Blasenstörungen)
  • Enzephalopathie (Gedächtnisstörungen, Stimmungsschwankungen)
  • Axonale Polyneuropathie
  • Acrodermatitis chronica atrophicans

Diagnostik

Labordiagnostik

  • IgM und IgG Antikörper, BB, Leberwerte, Blutsenkung

Liquordiagnostik bei Borrelliose (nur bei entsprechendem Verdacht)

  • Pleozytose >100/µl, lymphozytär, gel. nur mäßige Zellzahlerhöhung
  • Zellzahlerhöhung obligat zur Diagnosestellung
  • IgM und IgG Antikörper
    • Cave: In frühem Stadium kan IgM und IgG negativ sein
      • IgM-Anstieg nach 2 bis 4 Wochen 
      • IGM Anstieg nach 4 bis 8 Wochen
    • Wiederholte Punktion sinnvoll
    • Bestimmung des Antikörperindex für IgG und IGM 
      • Normalbereich (negativ): AI < 1,3
        • Keine nennenswerte Eigenproduktion von Antikörpern im Nervensystem
        • Eventuell vorhandene Antikörper im Liquor stammen aus dem Blut (passiver Übertritt).
      • Grenzbereich: AI 1,3 bis 1,5
        • Befund nicht eindeutig.
        • Weitere Faktoren (Zellzahl, Klinik) oder eine Verlaufskontrolle erforderlich.
      • Pathologisch (positiv): AI > 1,5
        • Wert über 1,5 gilt als Beweis für eine spezifische Antikörperbildung gegen Borrelien innerhalb der Blut-Hirn-Schranke
        •  Diagnosesicherung der Neuroborreliose (zusammen mit der entsprechenden Klinik).
    • Zusätzliche Marker bestimmen z.B. CXCL13 (siehe unten)
  • PCR auf Borrelien-spezifische Antikörper bei unklarem IgG/IgM Befund
    • Cave: PCR mit niedriger Sensitivität (Borrelien häufig gewebeständig, das heißt an den Hirnhäuten oder Nervenwurzeln, nicht frei im Liquor)
  • Proteinerhöhung
  • Glucose normal oder leicht erniedrigt
  • CXCL13
    • Normwert:  <10 pg/ml
    • Rascher Anstieg direkt nach der Infektion noch vor Antikörperindex AI
    • Chemokin, Synthese durch Monozyten und dendritische Zellen
    • Hohe Sensitivität 92,1 % und Spezifität 96,5%
    • Kann auch positiv sein bei Vaskulitiden, HSV-1, VZV u.a.
    • Verlaufsuntersuchung sinnvoll bei unklaren Befund bzw. zur Beurteilung der Therapie
    • Guter Verlaufsparameter unter antibiotischer Therapie

MRT-Kopf

  • Bei Verdacht auf ZNS Beteiligung

Therapie (Detaillierte Informationen erst nach Ärzte-Login)

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Stadium I

  • Doxycyclin

Stadium II

  • Ceftriaxon
  • Cefotaxim

Stadium III

  • Ceftriaxon
  • Cefotaxim

Radikuloneuritis

  • Steroidbehandlung - (als Schmerztherapie)

Postexpositionsprophylaxe

  • Einmalig Doxycyclin innerhalb von 72h

Verlauf

  • Im Stadium I und II bei früher Therapie gut, ansonsten Residualsymptomatik möglich
  • Stadium III
    • Residuale Symptome nach struktureller Schädigung möglich

Differenzialdiagnose

Borreliose Stadium I

  • Virale Mengititis
  • Erythema migrans DD
    • Insektenstich 
    • Tinea corporis 
    • Erysipel 
    • Graunloma angulare

Borrelliose Stadium II 

Meist Oligo- oder Mono Arthritis (Knie)

  • Rheumatoide Arthritis (RA)
    • Meist symmetrische Entzündung vieler Gelenke (Polyarthritis), was untypisch für die Lyme-Arthritis ist
  • Reaktive Arthritis
    • Gelenkentzündung, nach einer anderen Infektion (z. B. Magen-Darm-Infekt oder Harnwegsinfekt)
  • Gicht
  • Arthritis psoriatica
  • Arthrose

Borreliose Stadium III (Neuroborreliose)